Die freie Entscheidung

2G ist das neue Modewort. Ungeimpfte sollen bitte draussen bleiben. Auch wenn ihr inzwischen viele Freiheiten genommen werden. Nicole Montemari macht  für sich das Beste daraus und fühlt sich dabei immer freier.

Gastbeitrag von Nicole Montemari

Nun ist es soweit. Der Bundesrat hat entschieden, dass es ungeimpfte Personen noch eine Spur schwerer haben sollen. Einen gemütlichen Kinoabend mit Freunden? Ein Feierabend-Schlummer-Drink mit der Arbeitskollegin oder aber auch die sportliche Betätigung im Fitnesscenter? Stopp, Halt! 2G ist das neue Modewort. Bist du nicht geimpft oder genesen, sollst du bitte draussen bleiben. „E schwäre Mocke!“

Nicht, dass mich diese Massnahme sonderlich verwundert hätte. Ich habe sie erwartet. Verstehen kann ich sie dennoch nicht. Mein Verstand und meine Intuition sagen mir, dass ich als frisch negativ getestete Person doch eigentlich die kleinste Gefahr für andere Menschen darstellen sollte. Zusätzlich bekomme ich gerade tagtäglich mit, wie sogenannte „Impfdurchbrüche“ stattfinden und diese Menschen ungetestet an Grossveranstaltungen und an  jeglichen Freizeit-Spass-Unternehmungen teilnehmen. Nun ja, ich bin keine Ärztin und nicht vom Fach. Aber einordnen kann ich diese Logik in meinem Kopf irgendwie trotzdem nicht.

Mit meinem Sohn darf ich seit der Einführung der 3G-Regel im Zoo nicht einmal mehr den Aussenbereich besuchen. Ein Hallenbad hat er schon lange nicht mehr von innen gesehen. „Aber du kannst dich ja Testen lassen“ wird mir dann gesagt. „Aber du hast ja die Wahl und hast dich so entschieden“ wird mir an den Kopf geworfen.

Ganz genau, ich habe mich entschieden und ich stehe zu meiner Entscheidung mit all seinen Folgen. Anstatt Trübsal zu blasen und mich Zuhause einzugraben, mache ich einfach das Beste aus der Situation. Ich darf nicht mehr ins Restaurant gehen und meine Lieblings-Spaghetti-Carbonara essen? So packe ich ein feines Picknick in meinen Rucksack, dass ich irgendwo draussen an einem schönen Plätzli geniessen kann. Ich darf mit meinem Sohn nicht mehr den Zoo besuchen? Inzwischen kenne ich unglaublich tolle Bauernhöfe, wo wir die Geissli streicheln und dazu noch frische Hühnereier besorgen können. Ein Erlebnis für Gross und Klein!

Ich kann mich mit Freunden nicht mehr an einer Grossveranstaltung treffen? Im kleinen Kreise, Zuhause in der warmen Stube, ist es eigentlich genauso gemütlich. Wir dürfen nicht mehr ins Hallenbad, wo ich meinen Sohn eigentlich in den Schwimmunterricht schicken wollte (weil Schwimmen ja eine äusserst überlebenswichtige Sache sein kann?) Also dann, freuen wir uns einfach auf den kommenden Sommer und die unzählig vielen Möglichkeiten, in einem unserer Schweizer Seen zu planschen und zu schwimmen.

Zum guten Glück bin ich persönlich sowieso gerne Draussen in der Natur unterwegs. Ich liebe die Berge, das Wasser und den einfachen Spaziergang im Wald. Ich liebe das abenteuerliche Übernachten im Zelt oder gar im Kofferaum unseres Autos. Ich bin frei und fühle mich frei.

Und nun frage ich mich inzwischen: Wer ist wirklich frei?

Sind es Menschen, die sich schon heute wieder darum kümmern und um einen Platz streiten müssen, damit sie in 4 Monaten ihr Impfabo erneuern können, weil sie sonst alle ihre „Freiheiten auf Zeit“ wieder verlieren? Sind es diejenigen, die aus Angst vor einer Ansteckung auf ein Treffen mit Freunden verzichten, nur weil sie den „Booster“ noch nicht bekommen haben? Oder vielleicht die, die ich sogar bei einem Waldspaziergang an der frischen Luft mit einer Maske im Gesicht antreffe, obwohl weit und breit ansonsten niemand zu sehen ist? Ist DAS die neue Freiheit? Ist es DAS, was wir unseren Kindern als das neue „Normal“ weitergeben möchten?

Inzwischen gehöre ich übrigens auch zu der Fraktion „Genesen“ und somit könnte ich mich mit einem der 2G’s zumindest für 90 Tage überall herumtreiben, wo es mir gerade lieb ist. Ich sage aber  Nein – aus Prinzip. Das ist meine freie Entscheidung.

Text: Nicole Montemari

Nicole Montemari, zvg

8 Kommentare zu „Die freie Entscheidung

    • Danke Angela! Genau und so ein kleiner „Konsumverzicht“ hat wohl noch niemandem geschadet, ganz im Gegenteil. Positiv bleiben und sich mit Gleichgesinnten treffen. Das gibt Mut, Zuversicht und Halt.

  1. Genau, wir können Neues entdecken, an was wir noch nicht gedacht haben. Wir spüren die Natur wieder viel inniger. Konzentrieren wir auf das Mögliche und auf Lösungen und wir entdecken neue Wege.
    Danke für das Teilen.

  2. Frei sein ist Kopf und Herzsache. Seit ich in Restaurants nicht mehr drinnen essen kann, geniesse und schätze ich das Draussen Essen umsomehr 🙂
    Herzlichen Dank Nicole deine Erfahrungen zu teilen und uns zu inspirieren, die neue Freiheit zu leben.

  3. Wahre Worte, danke fürs Teilen. An manchen Tagen fühlt sich der Verzicht als schön und bereichernd an, manchmal tut es trotzdem weh ausgeschlossen zu sein. Als Hallenbadersatz kann ich dir Winterschwimmen/Eisbaden empfehlen. Es tut gut und macht wirklich Spass! Du kannst es ja mal versuchen – okay, für den Sohn weiss ich nicht, er ist wahrscheinlich noch zu klein… 😉

    • Danke für den Tipp Eva 🙂 Winterschwimmen/Eisbaden ist sicher auch eine Option. Aber ehrlich gesagt mag ich es dann doch lieber, wenn es etwas wärmer ist… 🙂 Bis zum Sommer geht es ja dann auch nicht mehr so lange.

      • Sehr schöner Text, liebe Nicole. Danke!
        Ich war kürzlich krank und habe mich entschieden, auf das Genesen-Zertifikat freiwillig zu verzichten. Ich kann diese Entwicklung nicht mittragen und verzichte deshalb lieber auf diese vermeintliche Freiheit. Was stark zu meiner Entscheidung beigetragen hat, ist die Erkenntnis, dass es inzwischen soo viele Möglichkeiten gibt, sich mit Gleichgesinnten resp. Zertifikatslosen zu vernetzen. Es entstehen Treffen und Möglichkeiten im kleinen (lokalen) Rahmen. Da kann ich gut auf Kino und Restaurant verzichten.

  4. Liebe Nicole, eigentlich kann ich alles unterschreiben, was du sagst. Auch ich bin ungeimpft genesen und weiss nicht, wann ich Corona hatte. Ausser die Tests waren falsch…. Aber ein Punkt scheint mir wichtig. Frei sind wir erst, wenn wir nichts mehr ablehnen, auch ein Zertifikat nicht. Man muss es ja nicht brauchen oder dort, wo es Herzenswärme bringt. So liess ich mir ein Zertifikat aus stellen. Mit dem kann ich meine behinderte Freundin im Heim und im Spital besuchen. Jedoch verzichte ich auf den jährlichen Mitarbeiterausflug in ein Restaurant und lade dafür die Ungeimpften zu mir nach Hause ein.
    Herzliche Grüsse
    Regula

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