Die Samen für die Foodcoop sind gestreut

Die Foodcoop «Läbäsgnuss» in Degersheim ist kein Depot für regionales Gemüse. Die Idee dahinter ist weitgreifender: Die Menschen, die ein Abo lösen, engagieren sich aktiv und fördern so die Gemeinschaft.

Inspiriert von Projekten aus Deutschland wollte Sandra eine Foodcoop in ihrem Heimatdorf Degersheim realisieren. Sie ist überzeugt, dass die Welt im Grunde genauso funktionieren sollte: Projekte, die die Gemeinschaft stärken und das eigene Wachstum fördern.

Das Konzept der Einkaufsgemeinschaft war in ihrem Kopf pfannenfertig; nun ging es an die Umsetzung. Gemeinsam mit ihrer Graswurzle-Freundin Maria schritten sie zur Tat: «Das packen wir an!» Es soll aber kein Depot für Lebensmittel werden, das sich ausschliesslich auf gesundes und regionales Biogemüse ab Hof spezialisiert. Der Gemeinschaftsgedanke und die Mithilfe sind wichtige Bestandteile des Projekts. Egal, ob Ackerbau, Ernte, Botengänge oder administrative Arbeit: «Jeder macht das, was er gut kann», betont Sandra und führt weiter aus: «Wer dem Bauern hilft, sieht, wo sein Gemüse wächst.»

Die zwei Frauen setzten sich mit den Landwirten aus ihrer Region zusammen, um die Kooperation aufzugleisen. Den Graswurzlerinnen war es ein Anliegen, den Bauern Planungssicherheit zu bieten. «Die Landwirte wissen genau, wie viel Gemüse wir abnehmen, auch wenn die Ernte schlecht ausfällt.» Nicht nur der Bauer profitiert von dieser Abmachung; das Gemüse, das in die Taschen kommt, ist erntefrisch.

Einmal im Monat werden Trockenwaren wie etwa Mehl, Getreide oder Hülsenfrüchte für die Abholung bereitgestellt. «Welche Ware angeboten wird, entscheiden wir; Wünsche können nicht berücksichtigt werden, damit wir es möglichst einfach handhaben können». Viele Foodcoops scheitern daran, dass der Aufwand zu gross wird, wenn die Bestellungen individualisiert werden. Das «Läbäsgnuss-Konzept» setzt Eigenverantwortung voraus: Menschen können miteinander tauschen, falls etwas dabei ist, das ihnen vielleicht nicht schmeckt. «Oder sie probieren einfach Neues aus», lacht Sandra.

Eine Herausforderung sieht Sandra darin, dass die einzelnen Produkte kein Preisschild aufweisen, sondern als Gesamtpaket im fixen Abo-Preis daherkommen. Bevor das Projekt lanciert wurde, machten die Initiantinnen eine Bedürfnisabklärung, um ihr Sortiment entsprechend zu bündeln.

Die Ware wird nicht vorverpackt. Die Mitglieder der Kooperative bringen ihre eigenen Glasgefässe oder Tupperware mit, um sich die Behälter direkt vor Ort abfüllen zu lassen. Einmal die Woche kann eine Tasche mit saisonalem Gemüse bestellt werden.

Der Treffpunkt soll nicht nur Abfüllstation, sondern auch Ideenbörse sein. Austausch und Inspiration darf den Raum einnehmen und die Gemeinschaft stärken. Eine Weiterentwicklung des Angebots sei denkbar, wie etwa Kochnachmittage oder Einmach-Workshops. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt; die Menschen sind bereit, umzudenken und Neues zu erschaffen.»

Text: Barbara Hagmann

Maria & Sandra

6 Kommentare zu „Die Samen für die Foodcoop sind gestreut

  1. Die Idee ist gut, nur sollte es viel mehr davon geben, denn wenn es kein Versand gibt, sollte es wirklich in der Nähe sein. Ich habe auch die SOLAWI-Gärten besichtigt, ist glaub dasselbe, aber ist auch zu weit weg und kein Versand! Jetzt habe ich halt angefangen auf unserer Terrasse Gemüse für unseren Eigenbedarf anzubauen!
    Wünsche Euch viel Erfolg!

    • Liebe Bernadette

      Herzlichen Dank für deinen Zuspruch und die guten Wünsche.
      Wir würden uns sehr freuen wenn noch ganz viele FoodCoops entstehen dürfen und geben unsere Erfahrungen bei deren Aufbau gerne weiter.
      Herzensgruss

    • Liebe Bernadette, wo wohnst Du? Vielleicht könntest Du in Deiner Region schauen, ob es Leute gibt, die sowas mit Dir auf die Beine stellen möchten? Ich hab eine Schwester mit Bauernhof. Manchmal möcht ich ihr sowas vorschlagen. Mal sehen, wenn ich erst gesund bin… liebe Grüsse, Mirjam

  2. Oh schön, das klingt so wunderbar! So fängt es an und so fühlt es sich richtig an!
    Danke für den Mut, die Klarsicht, die Initiative und Umsetzungskraft, mit dieser Idee voranzugehen! Ich hoffe sehr, dass diese Art Kooperation sich schnell verbreitet und an vielen Orten Wurzeln schlägt. Es macht soviel Sinn!

    • Liebe Angela
      Auch wir wünschen uns sehr, dass sich solch gemeinschaftsbasierte Projekte weit verbreiten mögen. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen im Aufbau einer FoodCoop oder eines Gemeinschaftsgarten.
      Herzliche Grüsse
      Sandra

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