«Les Sanspapiers» macht Lust auf mehr

Unterhaltung vom Feinsten von Andreas Thiel und David Dürr: Die Schweizer Comedy-Serie über Liebe, Kunst und Demokratie ist in der Konservi Seon fulminant gestartet.

Daniela Schwegler

Alles beginnt in Kalbermatten. Ein Dorf in der Innerschweiz, das sich gegen den Staat auflehnt. Es ist, als wären Asterix und Obelix Pate für das Filmprojekt gestanden. Die zwei Helden, die sich in ihrem gallischen Dorf mit List und Tücke gegen die römische Vorherrschaft auflehnten.

«Wie erzähle ich’s meiner Mutter?» Diese Frage sei am Anfang der neuen Schweizer Comedy-Serie im Zentrum gestanden, verriet Andreas Thiel an der Vorpremière des noch nicht ganz fertig geschnittenen und ausschliesslich privat finanzierten Films. «Wie kann man die breite desinteressierte Masse für Staatsrechtsphilosophie begeistern?» Mit Les Sanspapiers möchten sie all diejenigen erreichen, die sich bisher weggeduckt haben vor Themen wie Rechtstaatlichkeit, Freiheit, Selbstbestimmung, Föderalismus und Demokratie. «Denn es muss einen Weg geben, dass auch solche Menschen hinschauen – ohne, dass sie es merken. Und der Weg führt natürlich über die Kunst.»

Folglich ist die frische und freche Serie Les Sanspapiers entstanden, in der es um die ganz grossen Gefühle geht: Liebe und Hass, Sex und Religion, Leben und Tod. Man geht mit den Figuren mit, hat sie gern, während das Zwerchfell durch das häufige Lachen ordentlich strapaziert wird. Aber es ist keine Ärzteserie, sondern: «Ohne, dass die Leute es wissen, geht es um Demokratie, um nicht zu sagen Revolution!», betonte Andreas Thiel. So heisst es auch auf der Webseite des Filmprojekts: «Alle Länder um uns herum hatten die Revolution. Aber das einzige Land, das die Ziele der Revolution erreichte, ist die Schweiz. Unser Erfolgsrezept heisst nicht Revolution, sondern Evolution.»

Der Film erzählt die Geschichte, wie der Gemeinderat von Kalbermatten einen listigen Plan schmiedet, als das Dorf zwangsgepfändet und mit der Nachbargemeinde Grossschönigen fusioniert werden soll. Die Gemeinderäte wollen den Bund für ihre Idee gewinnen, ein Ausschaffungsgefängnis für 800 Häftlinge im Dorf zu errichten. Der hässliche Betonbau soll wieder Geld in die leere Gemeindekasse spülen. Doch dafür müsste die Kirche sowie das Haus einer resoluten alten Dame dem Grossprojekt weichen. Allerdings hat der Gemeinderat die Rechnung ohne die Dorfbewohner gemacht. Denn jetzt steht die Bevölkerung auf und solidarisiert sich mit der Kirche, getreu dem Motto: «Die Kirche bleibt im Dorf.» Bauernschlau werden illegale Flüchtlinge kurzentschlossen in der Kirche einquartiert: Les Sanspapiers.

«Unser Ziel war es, einen Weg zu finden, wie man eine Gesellschaft weiterentwickeln kann, ohne das Bestehende zu zerstören und ohne einander die Köpfe einzuschlagen.» In 30 Episoden zeigen der Professor und der Künstler auf, was in der Schweiz alles passieren müsste, damit sie wieder zu einem Hort des Friedens, der Freiheit und der Demokratie werden könnte. Weder Bundesrat noch Parlament werden diesen Transformationsprozess in der fünfteiligen Serie à je sechs Episoden überleben. «Also physisch schon, aber nicht als Institutionen», sagte Andreas Thiel. Man darf also gespannt sein, wohin die Reise der flotten Comedy-Serie noch führen wird.

Jedenfalls schreit der Pilotfilm, der mit einer wilden Feier in der Kirche, Polizisten auf LSD und den Sanspapiers als heimliche Helden endet, nach mehr!

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