Männerkreis als Ort der Reflektion

Wenn Männer in einer reinen Männergruppe zusammenkommen, entsteht ein Wir-Gefühl. Passende Angebote gibt es hingegen nur wenige. Denn nicht nur die Frau hat sich emanzipiert; Männer entdecken ebenfalls neue Qualitäten in sich.

Pablo Hess, Urs Egger und Philipp Steinmann sind seit mehreren Jahren in der Männerarbeit tätig und bieten Workshops für Männergruppen an. Egal, ob digitale Inspirationsabende, Tagesworkshops oder ein dreitägiges Intensivseminar; das Ziel bleibt dasselbe: «Männer sollen sich gegenseitig inspirieren», sagt Philipp. «Die Atmosphäre ist anders als in gemischten Gruppen. Männer begegnen sich freier und offener, als wenn Frauen im Raum sind.» Dabei geht es nicht darum, sich von Frauen oder der Gemeinschaft zu entkoppeln. Der Fokus der Männertreffen richtet sich auf Herausforderungen, die vor allem Männer betreffen. «Die Workshops sind Orte der Reflektion. Danach gehen die Teilnehmer in den gemeinsamen Lebensraum zurück und integrieren das Erlebte in den Alltag.»

Seit sich die Frauen emanzipiert haben, fühlen sich viele Männer verloren. Die klassische Rollenverteilung ist überholt. Nun sei es an den Männern, herauszufinden, wo ihre männlichen Qualitäten liegen: «Die Männer holen sich in der Gruppe den nötigen Schwung dafür und fühlen sich verstanden», betont Philipp.

Bei der Männergemeinschaft geht es auch um Co-Creation (gemeinschaftlicher Schöpfungsprozess). «Der Input aus dem Männerkreis ist ein wesentlicher Bestandteil», sagt Philipp. Mittels verschiedener Methoden wie Visionsreisen, Visualisierungstechniken aber auch Naturwanderungen werden die Teilnehmer näher zu sich selbst geführt. Durch die Kopf-Herz-Bauch-Verbindung entstehe auf natürliche Weise ein spiritueller Raum. «Es geht nicht darum, Männerbilder zu erschaffen, sondern den Raum zu bieten, sich selbst zu erforschen.»

Ein typisches Männerthema ist der Konkurrenzgedanke. «Wir wachsen damit auf», erzählt der Graswurzler und betont, dass dadurch eine tiefsitzende Angst entstanden sei, sich zu zeigen und damit zu riskieren, ausgeschlossen zu werden. «Der Leistungsgedanke ist stark präsent.» Dazu komme, dass Männer meist nicht gelernt haben, Gefühle zu zeigen, erklärt Philipp. Der Männerkreis biete jedem die Möglichkeit, an seiner Geschichte zu arbeiten, ohne dafür verurteilt zu werden. Die Feedbacks haben gezeigt, dass diese Begegnungen wertvoll sind. Nicht zuletzt deshalb, weil die Teilnehmer erkennen, dass sich andere mit denselben Themen auseinandersetzen.

Text: Barbara Hagmann

Philipp, Pablo und Urs (v.l.)

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